Integración Neurosistémica

Integración Neurosistémica

Komfortzone. Komfortzone???

Ja… ja… die „Komfortzone“… Ich mag das Wort überhaupt nicht! Vielleicht, weil es so dermaßen strapaziert wird. „Du musst aus deiner Komfortzone rausgehen!“ Ne, muss ich nicht! Woher weißt du überhaupt, wo oder was meine Komfortzone ist? Ein wenig übergriffig ist so eine Aussage schon.

Na ja, auf jeden Fall war ich ja krank, und es war auch nicht leicht, wieder in eine Routine einzufinden und Energie wieder zu tanken. Bzw… irgendetwas hat mich gestört. Ich war unzufrieden. Aber alles von Anfang an…

Eigentlich einfach nur ein Job

Mann bedeckt sein Gesicht mit den Händen

Ich hatte einen Job, der mich null erfüllt hat. Ich meine, ich konnte die Aufgaben erledigen, das hat schon gepasst, aber der Umgang untereinander im Büro war nicht mein Ding. Besser gesagt, der Umgang MIT MIR war absolut nicht in meinem Sinne.

Eigentlich kam mir Ende des Jahres das Motto “Radikale Selsbsfürsorge” überhaupt wegen dieses Umgangs in der Arbeit. Ich wusste, so ging es nicht weiter (schon wieder!). Nicht nur mein Körper hat sich gemeldet, auch Glaubenssätze wurden während dieser Zeit schön gefüttert und befeuert. Ich dachte: „Wozu die ganze innere Arbeit, wenn ich schon wieder an diesem Punkt bin und ich nicht den Mumm habe, um einfach (erneut) zu kündigen?“ Klar! Ich hatte „nicht den Mumm“, weil mein Selbstvertrauen ordentlich angeknackst war: „Ich bin nicht gut genug“, „Wo sollte ich mich bewerben, wenn ich eh nichts kann?“ bla bla bla…

Das unerwartete Geschenk

lichterkette

Zu meinem Glück wurde ich gleich nach den Weihnachtsferien, pünktlich am 07.01. entlassen. Ein Geschenk der drei Heiligen Könige sozusagen. Ich habe es nicht erwartet und das war ein Schock für mich, aber hey! Welch eine Möglichkeit, oder?

Was hat das Ganze mit der Komfortzone zu tun? Dieser Hintergrund ist relevant um zu verstehen, dass ich in einer Situation gefangen war, die immer stressiger wurde und wie wir wissen bedeutet Stress buchstäblich unter Strom sein, Übererregung, Cortisol, Fight, Flight.

“Man geht hier nicht gerade wertschätzend mit den Mitarbeitern um – vielleicht haben sie recht und ich bin wirklich viel zu langsam, viel zu teuer und mache viel zu viele Fehler – ich schäme mich dafür. Ich muss alles Mögliche tun, damit meine Unzulänglichkeit nicht so arg sichtbar wird – oops! schon wieder ein Fehler! Mist! Siehst du? Du bist echt nicht gut genug… – ich fühle mich unwohl (natürlich Liebes!) – Diese Gedanken und Gefühle tun mir nicht gut, ich sollte mich umsehen und gehen – aber wer wird mich schon wollen? Mich, die nichts gut kann?

Eine Zwickmühle.

Unterschiedliche Emotionen

Nach der Entlassung habe ich mich in der Tat entspannt: „Jetzt ist es auch egal“. Ich durchlief ein paar Phasen:

  • Zuerst war ich schockiert
  • Dann war ich so glücklich, wie lange, lange, laaange nicht mehr!
  • War motiviert und äußerst kreativ
  • Ich hatte unglaublich viel Energie, die ich auch sehr gut genutzt habe (z.B. um alles für die Selbstständigkeit vorzubereiten)
  • Danach war ich einfach nur platt…

Schon interessant zu sehen, wie ich von der Übererregung in die Untererregung übergegangen bin. Mein Körper und mein Gehirn waren soooo müde… keine Energie. Zum Glück war meine Seele (Higher Self, Beobachter ICH…) okay und geduldig mit den Zuständen.

Akku leer...

Irgendwann wurde mir allerdings der energielose Zustand ein wenig viel. Ich hatte ja schon bereits während der Arbeit „keine Zeit“ zum Sport oder Spazierengehen, ich hatte meine Mitgliedschaft im Tanzverein gekündigt (zu viel Stress), ich war zu kaputt, um Ukulele zu spielen und so weiter… ich „konnte“ mich lediglich vom Fernseher oder Social Media berieseln lassen.

That’s it.*

Nun hatte ich deutlich mehr Zeit (obwohl ich noch fast 3 Monate zu arbeiten hatte, hat man mir kaum Aufgaben gegeben. Thank god!) und trotzdem tat ich nichts davon, was meine Seele und meinen Körper nährt. Wo ist denn die ganze Energie und Motivation hin?

Und ehrlich, wenn ich nicht so viel über das Nervensystem gelernt hätte, wäre ich vermutlich enttäuscht von mir gewesen und diese Abwärtsspirale wäre weitergegangen. Welch ein Segen! Sprich, ich konnte beobachten, was alles in mir passierte und war (für meine Verhältnisse) echt mega geduldig mit mir, mit meinem Körper, mit meiner Müdigkeit, mit meinen Gedanken… man wird doch weiser mit dem Alter 🙂

Allerdings wusste ich nach einer Weile, dass das nicht nur Müdigkeit war. Denn ich habe versucht, auf mich gut zu achten und gemerkt, dass es mir immer schwerer fiel. Hä? Wieso? Wann hat sich das eigentlich eingeschlichen und wie komme ich aus diesem Kreislauf wieder raus?

Hier kommt die "Komfortzone" ins Spiel

Ja. „Komfortzone“ in Anführungsstrichen, weil, wie bereits erwähnt, mag ich das Wort nicht gerne bzw. nicht so, wie es so oft gebraucht wird. Die Komfortzone wird als etwas Negatives dargestellt. Komfortzone = Faulheit. (Übrigens, glaube ich auch nicht an „Faulheit“, aber das ist wieder eine andere Geschichte.)

Die Komfortzone ist das, was sich für uns bequem anfühlt. Sie ist uns bekannt, wir kennen uns darin aus. Uns fallen Dinge leicht, wir wissen, was uns erwartet. Und das ist verdammt wichtig! Das bedeutet nämlich Sicherheit und auch Stabilität. Ich liebe die Komfortzone.

Aber warum war ich dann so unzufrieden mit dieser „Faulheit“, die sich eingeschlichen hat, wenn ich sie so mag? Ich hörte die Stimmen in meinem Kopf (keine Sorge, ich weiß, sie sind nur in meinem Kopf 😅) sagen: „Du solltest die Zeit, die du nun zur Verfügung hast, besser nutzen. Zumindest für dich selbst. Um besser für dich zu sorgen“. Die hat mich nicht wirklich in Ruhe gelassen, denn ein anderer Teil in mir wollte einfach nichts tun. Nicht mal was ganz Nices wie in die Sauna gehen oder eben Ukulele spielen. Na gut, was tun?

mehrere Ukulelen liegen beieinander

Die Challenges

Ich wusste, die Antriebslosigkeit war nicht nur eine Sache der Energie. Also ja, meine Batterien waren recht leer, aber wenn ich mich nicht mal aufraffe, um sie zu füllen, was dann? Ich erkannte, dass Scham und Angst mich gerade hemmten. Meine Gedanken also. Die Sätze, die ich mir immer wieder während des letzten Jahres wiederholt habe: „Ich bin nicht gut genug“.
Ich brauchte das Gegenteil. Ich brauchte Erfolgserlebnisse. Kleinigkeiten, die mir zeigten, dass ich etwas kann. Dass ich etwas erreicht oder geschafft habe. So könnte ich eventuell den Kreislauf unterbrechen.

buch wer nichts riskiert, verpasst das leben

Ich erinnerte mich an ein Buch, das ich vor Ewigkeiten gelesen habe und mich damals inspiriert hat: „Wer nichts riskiert, verpasst das Leben“ von Noelle Hancock. Es geht darum, dass sie ein Jahr lang jeden Tag etwas tut, was ihr Angst macht, und beschreibt die lustigsten und größten Herausforderungen in diesem Buch.

Was wäre, wenn ich etwas Kleineres mache und mich jeden Tag herausfordere? Praktisch „aus der Komfortzone rausgehe“? Ich könnte doch jeden Abend in meinem Tagebuch die Sachen auflisten, die ich am Tag geschafft habe, um sie mir bewusst zu machen und zu erkennen, dass ich sehr wohl etwas schaffe.

Also habe ich 40 Zettel genommen und habe mir je 40 kleine (und teilweise für mich nicht so kleine) Herausforderungen aufgeschrieben.

Sowas wie:

  • Heute gehe ich nur Treppen (ich wohne im 5. Stock…)
  • Heute mache ich eine Yoga-Einheit
  • Eine ganze Woche ohne Unterbrechungen mache ich meine „Baby Steps“
zettel mit einer challenge

Oft habe ich die Zettel wieder in die Box reingeworfen, weil mir die Challenge des Tages „zu schwer vorkam“, z.B. „heute nicht auf WhatsApp schreiben, nur anrufen“, aber allein die Tatsache, dass ich eine zufällige Aufgabe für den Tag ziehen würde, hat mich gefreut und motiviert.

Zwei Wochen sind nun seitdem vergangen und ich muss sagen, es hat funktioniert! Ich bin wieder selbstbewusster. Meine Zweifel erscheinen mir nicht mehr so mächtig. Ich bin wieder in meiner Kraft. Selbstwirksam ❤️

Also…

Die Komfortzone ist wichtig und gut für uns. Es ist schön, sie zu haben, um uns sicher und stabil zu fühlen. Allerdings wird sie uns mit der Zeit etwas eng und anstatt sie zu „verlassen“, würde ich eher vorschlagen, sie auszudehnen. Immer und immer wieder. So können wir uns beschützt fühlen und gleichzeitig wachsen, ausprobieren und Neues wagen.

*WICHTIGER HINWEIS: Die beschriebenen Symptome können auch auf eine Depression hindeuten. Wenn du über einen längeren Zeitraum Gefühle von Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder anhaltende Traurigkeit verspürst, empfehle ich dir, dich von einer medizinischen Fachperson beraten zu lassen. Für eine erste Einschätzung kannst du hier einen Selbsttest durchführen oder dir unter den angegebenen Kontakten weiterführende Informationen holen. Zögere nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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